„Du musst doch einfach anfangen.“
„Wenn du es jetzt machst, hast du es hinter dir.“
„Warum bist du denn so unmotiviert?“
Vielleicht kennst du solche Sätze. Und vielleicht kennst du auch die Reaktion darauf: Augenrollen, ein genervtes „Ja, gleich“ – oder ein ziemlich deutliches „Lass mich in Ruhe!“
Gerade in der Pubertät kann es sich manchmal so anfühlen, als wäre alles, was früher funktioniert hat, plötzlich wirkungslos.
Das Kind, das früher einfach seine Hausaufgaben gemacht hat, diskutiert plötzlich über jede Kleinigkeit. Der Jugendliche, der eigentlich unbedingt Fußball spielen wollte, hat auf einmal keine Lust mehr. Und selbst Dinge, die deinem Kind eigentlich wichtig sind, werden immer wieder aufgeschoben.
Was ist da los?
Pubertät bedeutet: Ich möchte selbst entscheiden
Jugendliche wollen zunehmend selbst bestimmen, was sie tun, wann sie es tun und wie sie es tun. Das kann für Eltern anstrengend sein. Gleichzeitig ist es ein wichtiger Schritt. Dein Kind soll irgendwann selbst Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen und seinen eigenen Weg finden. Dafür muss es auch ausprobieren dürfen, was passiert, wenn es eine Entscheidung trifft. Genau deshalb funktioniert Motivation von außen in der Pubertät häufig immer schlechter.
Denn wenn du sagst: „Du musst lernen.“ kommt beim Jugendlichen möglicherweise nicht an: „Meine Mutter möchte, dass ich eine gute Note bekomme.“ Sondern: „Schon wieder entscheidet jemand anderes über mich.“ Und plötzlich geht es gar nicht mehr um das Lernen. Es geht um Selbstbestimmung.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht: Wie bekomme ich mein Kind dazu? Sondern: Was könnte meinem Kind helfen, selbst ins Handeln zu kommen?
Das beginnt manchmal mit einer ganz einfachen Frage: „Was möchtest du eigentlich?“ Nicht: „Welche Note soll ich für dich erreichen?“ Nicht: „Wie oft soll ich dich noch daran erinnern?“ Sondern wirklich: „Was ist dir wichtig?“ Denn wenn ein Ziel von deinem Kind selbst kommt, verändert sich etwas.
Der Jugendliche, der für die Schule lernen möchte, weil er einen bestimmten Abschluss erreichen will, hat eine andere Ausgangslage als der Jugendliche, der lernt, weil seine Eltern es verlangen.
Der junge Sportler, der selbst besser werden möchte, braucht etwas anderes als derjenige, der glaubt, für seine Eltern Leistung bringen zu müssen.
Motivation braucht einen persönlichen Grund.
Gib Verantwortung zurück
Natürlich können Eltern nicht jede Entscheidung ihrem Kind überlassen. Es gibt Regeln, Pflichten und Dinge, die erledigt werden müssen. Aber innerhalb dieser Grenzen kann dein Kind Verantwortung übernehmen. Vielleicht entscheidest nicht du, wann gelernt wird, sondern dein Kind. Vielleicht darf es selbst überlegen, wie es sich auf einen Test vorbereitet. Vielleicht plant der junge Sportler sein Training zunehmend selbst. Das bedeutet nicht, dass du dich zurückziehen musst. Du bleibst da.
Du kannst Fragen stellen, zuhören, Ideen geben und unterstützen. Aber du musst nicht ständig antreiben. Denn dein langfristiges Ziel sollte nicht sein, dass dein Kind immer dann etwas tut, wenn du es daran erinnerst. Dein Ziel darf sein, dass es irgendwann selbst sagen kann:
„Das ist mir wichtig. Und deshalb kümmere ich mich darum.“
Und was kannst du als Elternteil tun?
Vielleicht ist das Wichtigste tatsächlich deine Haltung. Du musst dein Kind nicht permanent motivieren. Du musst nicht jede Krise lösen. Und du musst auch nicht verhindern, dass dein Kind einmal eine schlechte Entscheidung trifft. Du darfst deinem Kind zutrauen, seinen eigenen Weg zu finden.
Manchmal bedeutet das auch, auszuhalten, dass dein Kind etwas anders macht, als du es tun würdest. Und ja – das kann schwer sein. Aber Selbstständigkeit entsteht nicht dadurch, dass wir unseren Kindern möglichst viele Entscheidungen abnehmen. Sie entsteht, wenn wir ihnen Schritt für Schritt zutrauen, selbst zu entscheiden.
Vielleicht ist deshalb die wichtigste Frage in der Pubertät nicht: „Wie motiviere ich mein Kind?“ Sondern: „Wie kann ich mein Kind dabei unterstützen, selbst Motivation zu entwickeln?“ Denn irgendwann wirst du nicht mehr danebenstehen und sagen: „Hast du gelernt?“ „Hast du trainiert?“ „Hast du deine Aufgabe gemacht?“ Dann muss dein Kind das selbst können. Und genau darauf darfst du es heute schon vorbereiten.
Motivation braucht ein eigenes Ziel
Genau deshalb vereinbare ich in meinen Coachings mit jedem Kind und Jugendlichen ein eigenes Ziel. Denn ich möchte nicht, dass mein Gegenüber etwas tut, weil ich oder die Eltern es für sinnvoll halten. Es soll wissen, wo es hinmöchte und warum es sich lohnt, dafür etwas zu tun.
Das Ziel gibt dabei die Richtung vor. Und gemeinsam schauen wir, welche kleinen Schritte auf dem Weg dorthin möglich sind.
Denn wenn ein Ziel wirklich das eigene ist, entsteht Motivation oft ganz anders. Nicht durch Druck von außen, sondern aus dem eigenen Wunsch heraus, etwas zu verändern.